Legal kiffen in Zürich – CBD Gras verwirrt die Polizei

Legal kiffen in Zürich – CBD Gras verwirrt die Polizei

Die Han­flä­den in der Lim­mat­stadt boomen: Wo es legales Gras zu kaufen gibt und warum die Kon­sumenten weit­er mit Ver­fol­gung rech­nen müssen.

Der Han­fverkauf boomt in Zürich wie seit den 90er-Jahren nicht mehr. Ab August began­nen weit­ere Anbi­eter wie Pilze aus dem Boden zu schiessen. Darunter auch der Shop von Agi Petro­va. Mit ihrem Fre­und eröffnete sie im Novem­ber an der Baden­er­strasse die Hanf­bou­tique Green Pas­sion. «Seit ‹20 Minuten› über uns berichtete, ren­nen uns die Leute die Türe ein.»

Es sind Banker, Bauar­beit­er, Stu­den­ten oder Arbeit­slose, die an einem nor­malen Wochen­tag die Bou­tique auf­suchen – die Neugierde erscheint riesig. «Unsere bish­er älteste Kundin ist 84», sagt Petro­va. Die Rent­ner­in wollte einen Joint drehen – zum ersten Mal in ihrem Leben. «Jet­zt, wo das Zeugs ja legal ist.»

Aufwendige Kontrollen

Die Betreiber der Shops Green Pas­sion verkaufen ihre Hanf­blüten als «Rohstoff» und nicht als Tabak­er­satzpro­dukt – wom­it auch die Steuer wegfällt. «Unsere Kun­den entschei­den selb­st, was sie mit dem Gras anstellen», sagt Green-Pas­sion-Betreiberin Petro­va. Auf der Fir­men­web­site wird gar vom inhalieren­den Kon­sum abger­at­en – so nehmen sich die Verkäufer aus der Ver­ant­wor­tung.

Den­noch geben fast sämtliche vom TA befragten Kun­den zu, dass sie sich mit den Blüten Joints bauen. Die Verkäufer begeben sich damit in eine rechtliche Grau­zone.

Ver­wor­ren ist die Sit­u­a­tion auch für Kon­sumenten. Das Rauchen eines Joints mit THC-Gehalt von unter einem Prozent ist erlaubt. Den­noch beste­ht ein Bussen­risiko.

Polizis­ten kön­nen das legale Gras nicht vom ille­galen unter­schei­den – Geruch und Ausse­hen sind iden­tisch. Als sich das Prob­lem let­zten August erst­mals zeigte, entsch­ied die Stadt­polizei, an den bish­eri­gen Bussen­ver­fahren festzuhal­ten.

Wer die Busse nicht bezahlen will, kann sich weigern. Damit wird jedoch ein aufwendi­ges Unter­suchungsver­fahren aus­gelöst. Die Polizei lässt das beschlagnahmte Gras im Labor prüfen. Liegt der THC-Gehalt unter einem Prozent, erhält der Kon­sument sein Cannabis zurück. Die Ver­fahren­skosten von mehreren Hun­dert Franken bezahlt der Steuerzahler. Bish­er hält sich die Zahl solch­er Fälle in Gren­zen. Seit August wur­den 18 Analy­sen durchge­führt, wobei es zu ein­er Rück­gabe kam. Wenn jedoch die Polizei an ihrer stren­gen Bussen­prax­is fes­thält und immer mehr legales Hanf gekauft wird, dann kön­nte es teuer wer­den für den Steuerzahler.

TCH versus CBD

THC (Tetrahy­dro­cannabi­nol) ist mit seinen psy­choak­tiv­en Eigen­schaften für den eigentlichen «Flash» beim Kif­f­en ver­ant­wortlich. THC ist ein Cannabi­noid. Cannabi­noide sind chemis­che Verbindun­gen, die es in kein­er anderen Droge gibt. Bis heute sind rund 120 dieser Verbindun­gen bekan­nt. Das THC ist die bekan­nteste.

In den let­zten Jahren ist ein zweites Cannabi­noid in den Fokus ger­at­en: Cannabid­i­ol (CBD). Im Gegen­satz zum THC hat CBD eine stark entspan­nende Wirkung, es wirkt jedoch nicht psy­choak­tiv. Aktuelle Stu­di­en deuten sog­ar auf eine antipsy­cho­tis­che Wirkung hin.

Zurzeit ver­suchen viele Pro­duzentIn­nen, ihren Hanf so zu zücht­en, dass er einen möglichst hohen CBD-Gehalt hat. Denn je höher der Gehalt, desto stärk­er die entspan­nende Wirkung.

CBD wird ein gross­es medi­zinis­ches Poten­zial nachge­sagt. Heinz Lüsch­er ist ein­er der weni­gen ÄrztIn­nen in der Schweiz, die mit CBD arbeit­en. «CBD hat eine pos­i­tive Wirkung. Es ist angstlösend, schmerzstil­lend und muskelkrampflösend», erk­lärt er. Bei schw­eren Fällen von Epilep­sie werde es immer häu­figer einge­set­zt. In hohen Dosen sei CBD ein potentes Schmerzmit­tel. Lüsch­er erzählt von einem Patien­ten mit Diag­nose Bauch­spe­ichel­drüsenkrebs. «In den meis­ten Fällen leben Men­schen mit ein­er solchen Diag­nose ein halbes Jahr. Mein Patient hat dank CBD noch zwei Jahre gelebt, mit ein­er den Umstän­den entsprechend hohen Leben­squal­ität.»

In einem Zürcher Vorort baut T.B. legalen Hanf mit hohem CBD-Anteil an. «Das Geschäft läuft aus­geze­ich­net, wir haben schon vor der Ernte alles verkauft», sagt er. «Vor rund zwei Jahren schrieb ich der Staat­san­waltschaft ein Mail und teilte ihr mit, dass ich Cannabis mit einem THC-Anteil von unter einem Prozent anbauen würde.» Die zuständi­ge Staat­san­wältin sei völ­lig aus­ge­flippt. «Sie fragte mich, ob ich sie ver­arschen wolle, und teilte mir mit, dass mein Vorhaben höchst ille­gal sei», so T.B. Damals habe er gemerkt, dass bei den Strafver­fol­gungs­be­hör­den eine grosse Unken­nt­nis über die Recht­slage herrsche. Von seinem Vorhaben hat er sich den­noch nicht abbrin­gen lassen.

Inzwis­chen besitzt T.B. einen Raum mit ins­ge­samt 1125 Pflanzen. «Die Züch­tung von Hanf mit einem THC-Anteil unter einem Prozent und einem hohen CBD-Anteil ist ein langer Prozess», erk­lärt T.B. Um solche Pflanzen zu erhal­ten, hat er THC-armen Indus­triehanf mit hochw­er­tigem ille­galem Rauch­hanf gekreuzt. «Die Pflanzen sollen so wenig THC haben wie Indus­triehanf, jedoch den Geschmack und das Ausse­hen von Indoorpflanzen.» Volle zwei Jahre dauerte es, bis er mit dem Resul­tat zufrieden war.

«Die Zucht ist das Einzige, für das man mich strafrechtlich belan­gen kön­nte», sagt er. Denn dafür benötigt er Pflanzen mit einem höheren THC-Anteil. Seinen Pro­duk­tion­sraum will er mir nicht zeigen. Vor kurzem wurde er gewarnt: Jemand wolle ihm seine Mut­terpflanze stehlen. «Zurzeit ist die Zahl der Pro­duzen­ten noch beschränkt, und jed­er ver­sucht, die bessere Pflanze als die Konkur­renz zu zücht­en», sagt T.B.

Platzt die CBD-Blase?

«Die Nach­frage nach CBD-Hanf wird nie so gross sein wie die nach ille­galem Hanf», sagt der Pro­duzent und Unternehmer. Wie sich der Markt entwick­eln werde, sei momen­tan noch schwierig zu sagen. «Am Anfang sind alle neugierig und wollen ein­mal pro­bieren.»

Momen­tan ist die Nach­frage hoch und das Ange­bot knapp. «Jed­er möchte jet­zt ins Geschäft ein­steigen, doch bald wird der Preis fall­en», sagt T.B. Am Schluss wür­den nur die grossen Pro­duzen­ten, die qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Pro­duk­te anbi­eten, über­leben, meint er.

Rein optisch ist es unmöglich, den legalen Hanf vom ille­galen zu unter­schei­den. Wird man von der Polizei kon­trol­liert, so kon­fisziert sie auch den legalen Hanf.

Verkäufer und Pro­duzen­ten dis­tanzieren sich deshalb von der medi­zinis­chen Wirkung und bit­ten die Kon­sumenten ihre eige­nen Erfahrun­gen zu machen.

Gemäss der Verbindung der Schweiz­er Ärztin­nen und Ärzte kann CBD jedoch bei mit­telschw­er­er bis schw­er­er Spas­tiz­ität bei Mul­ti­pler Sklerose (MS) von Ärzten ver­schrieben wer­den. Dafür müssen Ärzte dar­legen, dass die Krankheit die Leben­squal­ität schw­er beein­trächtigt und andere Ther­a­pi­en keinen Erfolg gebracht haben.



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