Ob Kraut, Tinktur oder Pulver: Legale Hanfprodukte boomen. Hanfläden verkaufen sie zu stolzen Preisen. Doch eine «Kassensturz»-Stichprobe zeigt: Manche Produkte enthalten nur einen Bruchteil des deklarierten CBD. «Green Passion Purple Haze» enthält mit 9 Prozent weniger Cannabidiol als angegeben die kleinste Abweichung von allen getesteten Stichproben.
CBD steht für Cannabidiol, einen Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Im Unterschied zu THC ist Cannabidiol in der Schweiz nicht als Betäubungsmittel eingestuft.
Seit 2011 gilt Hanf in der Schweiz erst ab einem Gesamt-THC-Gehalt von einem Prozent als Betäubungsmittel (BetmVV-EDI, SR 812.121.11, Anhang 5, Verzeichnis d, Stand 13. März 2026).
Studiogespräch mit Rudolf Brenneisen
Was über CBD bekannt ist
CBD sei noch zu wenig erforscht, sagt Barbara Broers, Suchtexpertin des Unispitals Genf.
Laut Barbara Broers fehlen dazu noch wichtige Grundlagedaten. Das Geschäft mit dem CBD-Hanf läuft. In spezialisierten Hanfläden und Online-Shops können Kunden eine Vielzahl legaler Hanfprodukte kaufen.
Das Angebot reicht von Ölen bis zu Salben. Am beliebtesten sind aber Hanfblüten.
«Kassensturz» hat gemeinsam mit der Westschweizer Sendung «A Bon Entendeur» elf legale Hanfprodukte auf ihren Gehalt an CBD und THC hin testen lassen. Der THC-Gehalt liegt bei allen Produkten in der Stichprobe unter einem Prozent, sie sind also legal.
Der CBD-Gehalt ist meist auf den Packungen deklariert. In der Stichprobe sind es 10 bis 23 Prozent. Doch auf diese Angaben können sich Kunden nicht verlassen.
Resultate
Im Test des Westschweizer Universitätszentrums für Rechtsmedizin weichen alle Produkte vom deklarierten CBD-Gehalt ab. Am deutlichsten die Hanfblüten «Colorado Light» aus dem Shop Dr. Green. Deklariert ist ein Gehalt von 14 Prozent. Im Labor gemessen wurden jedoch nur 2,1 Prozent. Das ist fast sechsmal weniger CBD als versprochen.
Bei «Sonnenfeld Marie&Anna»-Hanfblüten sind es 53 Prozent weniger CBD als deklariert, bei «Acapulco Gold» aus dem Shop «CBD bestellen» 45 Prozent. All diese Anbieter betonen, der CBD-Gehalt ihrer Hanfprodukte sei von externen Labors getestet worden. Zudem könne der Gehalt von Blüte zu Blüte schwanken.
Das sagt auch Urs Lengwiler, Produktionsleiter bei Ai Fame, einem Hanfproduzenten im Ausserrhodischen Wald-Schönengrund. «Natürliche Schwankungen und Abweichungen von 20 bis 30 Prozent sind bei Blütenmaterial nicht ausgeschlossen und bleiben im Normbereich. Bei den THC-Werten bleiben wir zur Sicherheit immer unter der erlaubten Maximalgrenze», so Urs Lengwiler. Jede Charge Hanf werde im eigenen Labor auf seinen Gehalt hin getestet.
Das Hanfprodukt «Swiss CBD Alessia», das Ai Fame produziert hat, weist im Test eine Abweichung von 30 Prozent beim CBD-Gehalt auf. Für Testleiter Marc Augsburger sind die Deklarationen nicht verlässlich: Jede Blüte, jedes Stück Hanf könne einen anderen Gehalt an CBD aufweisen. Auch auf dem Etikett einer Orange stehe nicht, welcher Schnitz wie viel Vitamin C enthalte. Ähnlich sei es beim Hanf.
Das Produkt von Swiss CBD fällt auch auf, weil es Boscalid enthält, ein Fungizid, dies obwohl es als Bio-Produkt angepriesen wird. Der Hersteller sagt dazu, dass das Mittel bei gelegentlichem Schimmelpilzbefall in der Indoor-Zucht eingesetzt werde. Auch im Hanf «Budz Purple Haze» und «Colorado Light» von Dr. Green fand das Labor Spuren von Pestiziden, obwohl die Hersteller sie als Bio-Hanf bewerben.
Es gibt auch Produkte, die näher beim deklarierten CBD-Gehalt liegen.
«Green Passion Purple Haze» enthält 9 Prozent weniger Cannabidiol als angegeben. Das ist die kleinste Abweichung in der Stichprobe.
Quelle: Beitrag Kassensturz SRF (23.05.2017)


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