Schluss mit CBD-Mythen: Wir machen den Faktencheck — ein SRF Beitrag

Schluss mit CBD-Mythen: Wir machen den Faktencheck — ein SRF Beitrag

Ein Beitrag von SRF, Quynh Trang Do
Dien­stag, 04.06.2019, 09:28 Uhr

Legales Cannabis

Schluss mit CBD-Mythen: Wir machen den Faktencheck

 

Lattes, die klas­sis­chen Blüten zum Rauchen oder sog­ar Hun­de­fut­ter – mit­tler­weile gibt es eine bre­ite Palette an CBD-Pro­duk­ten. Sie alle preisen heilende und wohltuen­den Wirkun­gen an. Doch wie sieht’s wirk­lich aus? Wir haben bei Sucht Schweiz nachge­fragt.

Ob im Super­markt, am Kiosk oder in der Apotheke: Cannabid­i­ol-Pro­duk­te – oder eben kurz CBD – sind in unter­schiedlich­sten For­men und Vari­anten fast über­all zu find­en. Dazu wer­den bunte Eigen­schaften und Auswirkun­gen ange­priesen, die zum Hype rund um CBD-Pro­duk­te beitra­gen.

Doch Nach­weise für diese Effek­te gibt es kaum, denn das Forschungswis­sen über die Wirkun­gen des CBDs ist rel­a­tiv jung. Aus juris­tis­ch­er Per­spek­tive ist CBD in der Schweiz mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent legal.

Was die Forschung bis dato untern­immt: Im Jan­u­ar 2019 veröf­fentlichte Sucht Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fen­ster einen vom Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG) beauf­tragten Bericht, Link öffnet in einem neuen Fen­ster, der vorn­immt, den Stan­dort zum CBD-Cannabis zu bes­tim­men. Denn im Gegen­satz zu Cannabis mit ille­galem THC-Anteil sind Effek­te wie beispiel­sweise antipsy­cho­tis­che Auswirkun­gen noch nicht umfassend erforscht.

Wir haben deshalb aller­lei Wirkungsver­sprechen gesam­melt und Markus Meury von Sucht Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fen­ster mit fünf Aus­sagen kon­fron­tiert, die bei der Pro­mo­tion von CBD-Auswirkun­gen ange­priesen wer­den:

«CBD kann Krebs heilen!»

Obwohl es zahlre­iche Head­lines wie diese im Inter­net zu find­en gibt, gebe es keine wis­senschaftlichen Nach­weise, dass CBD Krebs heilen könne, erk­lärt Meury.

Jedoch kann es einen Place­bo-Effekt geben: «Man weiss, dass bei Krebs andere Fak­toren wie zum Beispiel die Psy­che eine Rolle spie­len kön­nen. Der Glaube, dass CBD eine Wirkung hat, kann dementsprechend eine Auswirkung haben.»

Klin­is­che Unter­suchun­gen dazu gibt es jedoch keine.

Das Resul­tat also: FAKE NEWS.

 

«CBD ist ein alternatives Medikament gegen Angststörungen!»

Wie es genau funk­tion­iert, ist noch nicht ganz klar. Der oben erwäh­nte Bericht, Link öffnet in einem neuen Fen­ster zeigt, dass der CBD-Kon­sum als schmerzstil­lend, angstlösend und deshalb als pos­i­tiv beurteilt wird. Ausser­dem gibt es beim CBD den grossen Vorteil, dass «es im Gegen­satz zu klas­sis­chen Medika­menten kaum Neben­wirkun­gen hat», ergänzt der Medi­en­sprech­er von Sucht Schweiz.

Aber Achtung: Es wurde auch nachgewiesen, dass «THC in hohen Dosen Äng­ste ver­stärken» kann, so Markus Meury. Das heisst, ille­gales Cannabis kann man bei Angst­störun­gen nicht als lin­dernd ein­stufen, CBD hinge­gen schon.

Long sto­ry short: TRUE.

 

«CBD ist ein Superfood!»

Die Her­steller behaupten, Cannabid­i­ol-Pro­duk­te sollen Nährw­erte wie Omega‑3/6‑Fettsäuren, Pro­tein und gewisse Vit­a­mine enthal­ten. «Das sind eher Mythen», sagt Markus Meury. Es gäbe keine wis­senschaftliche Lit­er­atur, die diese Behaup­tun­gen nach­weist. «Vielmehr wird dieser Hype aus­genutzt, um doe Pro­duk­te bess­er zu verkaufen», so Markus Meury. Pro­duzen­ten prof­i­tieren ein­fach vom Hype und dem Wohlwollen der Leute.

CBD-Lattes, CBD-Smooth­ies oder CBD-Burg­er: alles nur Trend­pro­duk­te.

 

«CBD ist das nächste Big-Thing in der Kosmetik!»

Bei Sham­poos, Hand­crèmes oder Make-up han­delt es sich eher um einen Trend: «Wis­senschaftlich gibt es kaum Beweise dafür, dass CBD als Inhaltsstoff von Kos­metikpro­duk­ten beson­dere Wirkun­gen hat», erk­lärt Markus Meury.

Auch in diesem Fall wird von der Ver­mark­t­barkeit prof­i­tiert. Markus Meury ergänzt, dass es ver­schiedene Pro­file der CBD-Kund­schaft gäbe und einen wesentlichen Anteil davon machen ältere Frauen aus, die mitunter CBD-Öle fürs Wohl­sein ver­wen­den wür­den.

Resul­tat: Wohlig vielle­icht, aber keinen der­ma­tol­o­gis­chen Wun­der­nutzen!

 

«CBD hilft, sich das Rauchen abzugewöhnen!»

Wie merk­würdig klingt denn das: «Stop smok­ing by… smok­ing CBD». Und doch kann sich Markus Meury vorstellen, dass es möglich sein kön­nte: «Leute, die aus Ner­vosität rauchen, um sich zu beruhi­gen, kön­nen den Tabak mit CBD erset­zen.»

Allerd­ings soll­ten keine CBD-Blüten ger­aucht wer­den. Schlussendlich find­en in fast in jedem Rauch­prozess gewisse Ver­bren­nungsstoffe den Weg in den Kör­p­er. Diese sind in jedem Fall für die Lunge schädlich. «Am besten würde man Tabak durch nicht-ver­bran­ntes CBD wie zum Beispiel Öle erset­zen», so der Medi­en­sprech­er von Sucht Schweiz.

Resul­tat: Gesün­der ist das Rauchen von CBD nicht, also nicht die beste Idee.

 

Fazit: Ist CBD ein Legalisierungshelfer für THC?

Nur zwei von fünf ange­priese­nen Auswirkun­gen kon­nten vom Medi­en­sprech­er von Sucht Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fen­ster, Markus Meury, ver­i­fiziert wer­den. Alles andere unter­liege einem Hype. Doch trotz geringem Forschungswis­sen gibt es eine hohe Nach­frage nach Cannabid­i­ol-Pro­duk­ten.

Damit stellt sich die unauswe­ich­lich die Frage nach der ver­steck­ten Agen­da von CBD: Trägt dieser Hype eventuell zur Nor­mal­isierung des Han­fkon­sums bei und fol­glich zur Legal­isierung des ille­galen Cannabis bei?

Dazu meint Markus Meury: «Ich denke, dass der Hype selb­st vom Cannabis in jed­er Form die Mei­n­ung bee­in­flussen kann. Aber CBD ist von der Wirkung her wirk­lich ganz anders als Cannabis mit hohem THC-Gehalt». Viele Pro­duzen­ten spie­len aber auf jeden Fall mit dieser Grau­zone.