Mehr Nachsicht mit CBD-Konsumenten im Strassenverkehr? — ein SRF Beitrag

Mehr Nachsicht mit CBD-Konsumenten im Strassenverkehr? — ein SRF Beitrag

Ein Beitrag von SRF, André Ruch
Fre­itag, 09.08.2019, 16:42 Uhr,
Aktu­al­isiert um 20:35 Uhr

Grenzwert statt Nulltoleranz

Mehr Nachsicht mit CBD-Konsumenten im Strassenverkehr?

 

Wer legalen CBD-Hanf kon­sum­iert, kann bei ein­er Verkehrskon­trolle den Führerschein ver­lieren. Diesen Wider­spruch möchte das Bun­de­samt für Gesund­heit beheben – und für THC einen Gren­zw­ert wie beim Alko­hol ein­führen.

Beim Alko­hol ist die Sache klar: Wer über 0.5 Promille im Blut hat und in eine Verkehrskon­trolle kommt, ist den Führerschein los. Eben­so klar ist die Sache heute beim Mar­i­hua­na: Wird der psy­choak­tive Wirk­stoff THC im Blut fest­gestellt, ist der Ausweis weg – es gilt Null­tol­er­anz.

 

«Müssen Unsicherheit beheben»

Nun unter­sucht der Bund, ob es nicht auch für Mar­i­hua­na neu einen Gren­zw­ert geben soll wie beim Alko­hol. Das Prob­lem: Auch im legal an jedem Kiosk erhältlichen CBD-Hanf, der keine berauschende Wirkung hat, ist eine kleine Rest­menge THC vorhan­den. Wer CBD raucht oder als Arzneimit­tel zu sich nimmt, läuft Gefahr, in ein­er Verkehrskon­trolle seinen Ausweis zu ver­lieren. Für das Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG) ist das eine wider­sprüch­liche Sit­u­a­tion.

«Kon­sumenten von legalem Cannabis haben Mühe zu ver­ste­hen, warum sie angezeigt wer­den, obwohl sie bei ein­er Kon­trolle nicht berauscht waren», erk­lärt Markus Jann, Leit­er der Sek­tion poli­tis­che Grund­la­gen und Vol­lzug beim BAG. «Diese Unsicher­heit müssen wir beheben.» Deshalb hat das Bun­de­samt Mitte Juli eine Studie ges­tartet. Sie soll her­aus­find­en, wo bei Cannabis die Gren­ze zur berauschen­den Wirkung liegt. Gin­ge es nach dem BAG, soll ein Gren­zw­ert für den Strassen­verkehr fest­gelegt wer­den.

 

Wie hoch müsste ein Grenzwert sein?

Heute gibt es in Sachen THC in der Schweiz bloss eine Nach­weis­barkeits-Gren­ze: Wird das Blut von Autolenkern getestet und weist dieses mehr als 1.5 Mikro­gramm THC pro Liter auf, gilt es als erwiesen, dass Mar­i­hua­na kon­sum­iert wurde. Dieser Wert liegt aber der­art nahe bei Null, dass er auch über­schrit­ten wird, wenn gar keine berauschende Wirkung ver­spürt wird oder diese schon längst abgek­lun­gen ist.

THC am Steuer Braucht es einen Grenzwert

Deshalb fordert das BAG eine «Wirk­samkeitss­chwelle» – bis Feb­ru­ar 2020 soll die Studie in Zusam­me­nar­beit mit der Uni Basel erste Resul­tate brin­gen, wo diese liegen kön­nte. Teil der Studie ist auch der Ver­gle­ich mit anderen Län­dern: So gilt in Gross­bri­tan­nien etwa ein Gren­zw­ert von 2.0 Mikro­gramm THC pro Liter Blut, in Hol­land 3.0 Mikro­gramm.

 

Widerstand ist vorprogrammiert

Um einen neuen Gren­zw­ert für THC festzule­gen, wäre allerd­ings eine Geset­zes­re­vi­sion nötig. Die Poli­tik müsste also aktiv wer­den – und dort ist ein neuer Gren­zw­ert hoch umstrit­ten. «Ich finde es sehr frag­würdig, wie das BAG da vor­prescht», sagt etwa SVP-Nation­al­rätin Andrea Geiss­büh­ler. Sie befürchtet eine schrit­tweise Legal­isierung von Cannabis – ein Gren­zw­ert für den Strassen­verkehr sei ein weit­er­er Schritt in diese Rich­tung.

Dabei sei die Null­tol­er­anz ger­ade im Verkehr wichtig. «CBD-Hanf wirkt wie ein Schlaf- oder Beruhi­gungsmit­tel. Damit sollte man wirk­lich nicht Auto fahren dür­fen.» Die SVP-Nation­al­rätin zeigt sich befremdet, dass das Bun­de­samt Steuergelder «für solch unsin­nige Stu­di­en» aus­gibt.

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