Cannabis in der Medizin

Cannabis mit einem THC-Gehalt von >1% ist in der Schweiz als verbotenes Betäubungsmittel eingestuft. Die Verschreibung zu medizinischen Zwecken von nicht zugelassenen Arzneimitteln auf Cannabisbasis ist unter gewissen Umständen erlaubt.

Unter einem Cannabisarzneimittel versteht man ein Betäubungsmittel auf Cannabisbasis mit einem standardisierten Wirkstoffgehalt. Es muss heilmittelrechtlichen Sicherheits- und Qualitätskriterien genügen. Als Arzneimittel z.B. gegen Malaria, Rheuma und viele andere Leiden fand Hanf erstmals um 2’300 v. Chr. Erwähnung. In der Schweiz kann ein Arzt oder eine Ärztin cannabishaltige Arzneimittel verschreiben (z.B. sogenannte «Magistralrezepturen», also Heilmittel, welche auf ärztliches Rezept hin durch eine Apotheke hergestellt werden).

 

Cannabisarzneimittel finden in der medizinischen Praxis vorwiegend Verwendung

  • bei chronischen Schmerzzuständen, zum Beispiel bei neuropathischen oder durch Krebs verursachten Schmerzen;
  • bei Spastik und Krämpfen, die durch Multiple Sklerose oder andere neurologische Krankheiten nwie z.B. beim Tourette-Syndrom ausgelöst werden;
  • bei depressiven Störungen;
  • bei Übelkeit und Appetitverlust im Falle einer Chemotherapie.

Auch bei weiteren Krankheitsbildern kann Cannabis als Medizin zum Einsatz kommen:

  • Angststörungen
  • Allergische Diathese
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • Armplexusparese
  • Arthrose
  • Asthma
  • Autismus
  • Barrett-Ösophagus
  • Blasenkrämpfe
  • Blepharospasmus
  • Borderline-Störung
  • Borreliose
  • Chronische Polyarthritis
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom
  • Schmerzsyndrom nach Polytrauma
  • Chronisches Wirbelsäulensyndrom
  • Cluster-Kopfschmerzen
  • Colitis ulcerosa
  • Epilepsie
  • Failed-back-surgery-Syndrom
  • Fibromyalgie
  • Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie mit Schmerzzuständen und Spasmen
  • HIV-Infektion
  • HWS- und LWS-Syndrom
  • Hyperhidrosis
  • Kopfschmerzen
  • Lumbalgie
  • Lupus erythematodes
  • Migraine accompagnée
  • Migräne
  • Mitochondropathie
  • Morbus Bechterew
  • Morbus Crohn
  • Morbus Scheuermann
  • Morbus Still
  • Morbus Sudeck
  • Neurodermitis
  • Paroxysmale nonkinesiogene Dyskinese (PNKD)
  • Polyneuropathie
  • Posner-Schlossmann-Syndrom
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Reizdarm
  • Rheuma (rheumatoide Arthritis)
  • Sarkoidose
  • Schlafstörungen
  • Schmerzhafte Spastik bei Syringomyelie
  • Systemische Sklerodermie
  • Tetraspastik nach infantiler Cerebralparese
  • Thalamussyndrom
  • Thrombangitis obliterans
  • Tics
  • Tinnitus
  • Trichotillomanie
  • Urtikaria unklarer Genese
  • Zervikobrachialgie
  • Folgen von Schädel-Hirn-Trauma
  • Zwangsstörung

Das Interesse an Cannabisarzneimitteln ist aufgrund der breiten Einsatzmöglichkeiten und zahlreicher Berichte über erfolgreiche Behandlungen in den letzten Jahren stark gestiegen. Es gilt allerdings: Cannabis ist kein Wundermittel und hilft nicht allen Patienten! Insbesondere Patienten mit einem hohen Risiko für Psychosen oder Vorerkrankungen am Herzen sollten beim Konsum von Cannabis Vorsicht walten lassen. Generell ist eine ärztlich begleitete, gezielt durchgeführte Anwendung von Cannabis immer einer selbst organisierten Anwendung vorzuziehen. Auf Grund der jahrzehntelang blockierten Forschung und des fehlenden staatlichen Interesses an einer verstärkten Anwendung erfahren viele Patienten aber oft erst durch eigene Experimente, dass Cannabis ihnen hilft.

 

Offiziell dürfen Arzneien ab 1% THC gemäss BAG nur Patienten verschrieben werden, die an einer «schweren» Krankheit leiden und «austherapiert» sind. Zuvor müssen sich alle anwendbaren Medikamente und Dosierungen als unwirksam erwiesen haben.

 

Diese Regelung ist medizinisch kaum begründbar und treibt viele Patienten in den unsicheren Cannabismarkt auf der Strasse. Schätzungen des BAG zufolge beschaffen sich in der Schweiz über 100’000 Patienten auf diesem Wege Cannabis. Sie gefährden dadurch möglicherweise ihre Gesundheit, denn diese Produkte unterliegen keiner systematischen Qualitätskontrolle.

 

Der Bundesrat möchte deshalb den Zugang zu Behandlungen auf der Grundlage von Medizinalcannabis erleichtern. An seiner Sitzung vom 26. Juni 2019 hat er einen Änderungsentwurf des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) in die Vernehmlassung geschickt. Der Entwurf sieht vor, dass sich Patientinnen und Patienten Behandlungen auf Cannabisbasis direkt ärztlich verschreiben lassen können, ohne beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung einholen zu müssen. Nichts ändert sich hingegen beim nicht-medizinischen Cannabis mit einem THC-Gehalt von >1%, der verboten bleibt.

 

Zu Therapiezwecken sind in der Schweiz gegenwärtig fünf rezeptpflichtige Cannabinoidpräparate verfügbar: Dronabinol (mit synthetischem THC) sowie Präparate mit standardisierten CBD- und THC-Auszügen der Hanfpflanze: Sativex® und drei weitere Präparate (siehe Tabelle). Alle diese Arzneien enthalten 1% THC oder mehr. Deswegen unterliegen sie dem Betäubungsmittelgesetz und bedürfen einer Ausnahmebewilligung des BAG.

 

Tabelle der in der Schweiz erhältlichen Cannabis-Arzneien (Stand: März 2019)

NameCBDTHC
Dronabinol0.0%2.5%
Cannabis-Tinktur2.3%1.1%
Cannabis-Öl2.1%1.1%
Sativex® (Almirall)2.5%2.7%
Sativa-Öl (Hänseler)0.3%1.0%

 

Green Passion© bietet keinerlei Produkte an, welche als Arzneimittel qualifizieren. Alle durch Green Passion©  und DOLOCAN©  angebotenen Cannabisprodukte enthalten einen THC-Gehalt von unter 1%.

CBD-Produkte

CBD und verschiedene CBD-haltige Produkte an sich sind nicht als Arzneimittel qualifiziert und es besteht ein grosser Markt für solche Produkte, welcher teilweise ungenügend reguliert und kontrolliert ist. Green Passion© empfiehlt zum Beispiel Zurückhaltung bei CBD-Ölen mit sehr viel CBD (Cannabidiol), z.B. 50%. Solch hohe Konzentrationen bei einem gleichzeitigen THC-Anteil von weniger als 1% sind mit natürlichen Cannabis-Pflanzenauszügen unmöglich zu erzielen. Bei solchen Erzeugnissen wird oft mit CBD-Isolat nachgeholfen. Das ist zwar legal, täuscht aber die Kunden, die ein reines Natur- bzw. Vollspektrumprodukt zu kaufen glauben.

Wirksamkeit ungenügend belegt

Die Erforschung der Wirksamkeit der medizinischen Anwendung von Cannabisarzneimitteln steckt noch in den Anfängen. Die Wirkung ist wissenschaftlich noch ungenügend belegt. Zu vielen Anwendungen gibt es Erfahrungsberichte, aber keine ausreichend fundierten klinischen Studien, welche die Qualität, die Sicherheit und die Wirksamkeit belegen. Dieser Nachweis ist eine Voraussetzung dafür, dass ein Cannabisarzneimittel zum Beispiel von Swissmedic zugelassen und von den Krankenversicherern vergütet werden kann.

 

In anderen Ländern ist die Anwendung von Medizinalcannabis bereits weiter fortgeschritten. In Deutschland ist Cannabis zum Beispiel seit 2017 rezeptpflichtig in der Apothek erhätlich. Auch in anderen Ländern wie Israel oder Kanada ist der medizinische Gebrauch von Cannabis zugelassen. Weitere Länder folgen diesen Beispielen.

Das Endocannabinoid-System (ECS)

Wie wirken Cannabinoide? Offenbar docken sie an speziellen Rezeptoren des Nerven- und des Immunsystems an. Alle diese Rezeptoren und deren Liganden (Bindungsmoleküle wie z.B. Anandamid) bilden zusammen das Endocannabinoid-System (ECS) des menschlichen Körpers.

 

Das ECS wurde um 1990 herum von Forschungsgruppen in den USA und Israel entdeckt, nachdem die Molekülstruktur von CBD (1963) und THC (1964) schon früher entschlüsselt worden war.

 

Wie Cannabinoide und die verschiedenen Andockstellen des ECS (CB1, CB2, GPR55 usw.) zusammenspielen, ist eine zentrale Frage der Cannabisforschung. Man ist allerdings noch weit davon entfernt, den Wirkmechanismus genau zu begreifen – wie man auch bei der grossen Mehrheit der zugelassenen Medikamente nicht hundertprozentig versteht, wie sie wirken.

Schmerztherapie

Über die Einwirkung auf das ECS eröffnen Cannabispräparate interessante neue Perspektiven für die Therapie chronischer Schmerzen. Aufgrund bisheriger Beobachtungen geht man von einem allmählichen Wirkungsaufbau der Schmerzlinderung aus (z.B. nach Prof. Martin Pinsger):

 

  • Verbesserung des Schlafes in den ersten Tagen
  • Nachfolgend Muskelentspannung und Anregung des Appetites
  • Schmerzreduktion erst nach ausreichender Regeneration

 

Man muss dem Cannabis also Zeit lassen, seine Wirkung zu entfalten, und darf die Therapie nicht vorzeitig abbrechen. Allerdings gibt es zum therapeutischen Einsatz von Cannabis bei chronischen Schmerzen noch wenige klinische Studien. Schmerztherapeuten bescheinigen den Cannabispräparaten aktuell nur eine «moderate» (bescheidene) Schmerzreduktion.

Nebenwirkungen

Cannabis kann auf den Körper und die Psyche wirken. Überwiegend wird Cannabis als angenehm empfunden. Es verändert die Wahrnehmung, erhöht das Wohlgefühl und senkt die Schmerzempfindlichkeit. Allerdings können auch negative psychoaktive Wirkungen eintreten wie z.B. Stimmungsschwankungen, Angstgefühle, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, Gedächtnisschwäche oder Denkstörungen.

 

Zu den häufigen körperlichen Nebenwirkungen zählen Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Schwindel, Herzrasen oder eine Blutdruckabsenkung. Seltene Nebenwirkungen sind Übelkeit und Kopfschmerzen.

 

Alle diese akut auftretenden Nebenwirkungen vergehen innerhalb weniger Stunden oder Tage von alleine. Zusätzlich entwickelt sich nach einer längeren Einnahme von Cannabis häufig eine Toleranz gegenüber den Wirkstoffen. In sehr seltenen Fällen kann Cannabis eine Psychose auslösen, aber nur bei Personen mit einer Veranlagung für derartige Störungen.

 

Alles in allem zeigt Cannabis ein risikoarmes Nebenwirkungsprofil. Man weiss von keinen lebensbedrohlichen Komplikationen nach der Gabe von medizinischem Cannabis. Auch nach Cannabisvergiftungen ist es nach heutigem Wissensstand noch nie zu einem Todesfall gekommen.

Dokumente und Links zum Thema Cannabis in der Medizin